Vor der Hüttentür empfängt uns die kalte klare Luft der Nacht. Schlagartig sind wir hellwach. Über uns spannt sich die Milchstraße quer über den noch nachtdunklen Himmel. Ausser dem gedämpften Rauschen der Gletscherbäche dringt kein Laut an unser Ohr.  Im Schein der Stirnlampe steigen wir langsam und rythmisch dem neuen Tag entgegen, der sich bereits am östlichen Horizont ankündigt. Am Einstieg zum Felsgrat sind die Bergspitzen bereits in ein weiches rosaoranges Licht getaucht. Nun geht es in einer Folge von luftigen Kletterpassagen, über Gendarmen und Firngrate hinweg, in den blauen Himmel. Wir geniessen die Bewegungen, die Tiefblicke und den langsam sich erwärmenden Fels. Schließlich geht es nicht mehr höher - das Traumziel ist geschafft. Um uns herum ein Meer von Gipfeln, unter uns dehnen sich Gletscher und Spaltenlabyrinthe, darunter grüne Matten und Gletscherschliffe aus. Atemberaubend diese Vogelperspektive! Wir saugen die Eindrücke in uns auf, in dem Wissen, daß wir uns an sie noch lange erinnern werden. Tief unten sehen wir die Hütte, von der wir aufgebrochen sind, und auf der die wohlverdiente Stärkung wartet. Dann heißt es nochmals volle Konzentration für den Abstieg und einige Zeit später blicken wir von der Terrasse zurück zum Punkt auf dem wir gerade standen, voll der Erlebnisse des Tages.

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